Saisonauftakt der Radsportabteilung

Saisonauftakt der Radsportabteilung des TSV Ammerndorf vom 23.03. -01.04. 2014 in Denia (Marina Alta, Spanien):

Wer war dabei und warum ist Ende März ein guter Zeitpunkt für diesen Radurlaub?

Hans Gaier und Abteilungsleiter Hans Güthlein hatten sich früh für die Teilnahme entschieden (wie schon die Vorjahre). Mit weiteren Anmeldungen von Bernd/„Bernardo“ und Günter verdoppelte sich der Teilnehmerkreis gegenüber dem Vorjahr. Leider gab es im kleinen Sporthotel Los Caballos nur noch ein freies Dreibettzimmer. Aber keine Bange, „Werni“ unser Schweizer Radsportfreund ist jedes Frühjahr mit Frau Anita in Denia, hat dort ein geräumiges Appartement für 4 Personen und freut sich, wenn ihm sein alter Radfreund Hans Gesellschaft leistet.
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Die Wochen vor und nach den Osterferien fallen in die preisgünstige Nebensaison und sind ein idealer Zeitraum um bereits zu Beginn der RTF-Veranstaltungen fit zu sein. Außerdem ist der Frühling in der Region Denia gegenüber der Heimat deutlich fortgeschritten. Die Preise und Reisetermine bei Ryan-Air ab Nürnberg sind in dieser Zeit vergleichsweise günstig (Abflug in Nürnberg montags 10:25 Uhr; Rückflug in Alicante dienstags 8:20 Uhr) inklusive aller Transferzeiten wie Einchecken, Gepäckabholung und Fahrt zum Hotel ist man nur etwa 5 Stunden unterwegs.

Warum hier Radfahren und nicht – wie viele andere - auf Mallorca?

Das bergige Hinterland an der spanischen Ostküste am „Horn“ zwischen Valencia und Alicante gelegen (Region Marina Alta), ist noch ein Geheimtipp für Radsportbegeisterte, auch wenn schon Profiteams dort gesichtet wurden. Relativ beständiges Wetter, mildes Klima sowie die guten, verkehrsarmen Straßen, die bis in Höhen von ca. 800 m führen, sind der Grund für die zunehmende Beliebtheit. Viele sanfte Anstiege mit durchschnittlich nur 3 bis 5 % sind für den Saisonauftakt ideal und es gibt zahlreiche Genuss-Abfahrten in herrlicher Landschaft.
Unser schnuckliges Hotel „Los Caballos“, das von der Schweizerin Doris Hofner geführt wird, befindet sich in der Nähe des kleinen Ortes Els Poblets, ca.10 km von Denia entfernt, inmitten duftender Orangenplantagen. Das 14-Bettenhaus mit gemütlichem Ambiente, Pool, Radverleih, Tennisplätzen und einer Reitanlage lassen keine Wünsche offen. Mit dem beliebten Angebotspaket waren wir sehr zufrieden:

  • Halbpension - hier kocht die Chefin noch selbst
  • Rennrad- und Mountainbike-Verleih am Hotelgelände der Radmarke „Bergamont“
  • 5 geführte Rennrad-Touren, MTB-Touren sind wahlweise möglich
  • Transfer vom Airport Alicante zum Hotel Los Caballos und zurück
  • Starterpaket (Energieriegel, Getränkeflasche, regionale Straßenkarte)

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Strecken, Landschaft und Wetter:

Rückblickend ist festzustellen, dass die ausgewählten Radstrecken sehr zum Gelingen der Radlwoche beigetragen haben. Bei den beiden längsten Touren mit jeweils 120 km und ca. 1.700 Hm war gute Kondition gefragt. Die kürzeste Tour, die spontan außerplanmäßig an einem trüben Tag zustande kam, führte über eine Strecke von 68 km mit 550 Hm.

Bei 6 Radausfahrten haben wir insgesamt zwischen ca. 530 und 600 km absolviert, so sind ca.7.000 -8.000 Höhenmeter zusammen gekommen. Die Differenz in den km- und Hm-Angaben ergibt sich aus teils unterschiedlichen Teilstrecken der jeweiligen Gruppen. Nicht berücksichtigt sind „geschwänzte“ Tage einzelner Teammitglieder aus hier nicht weiter erläuterten Gründen. Alle Rundfahrten sind gekennzeichnet von einer beindruckenden Landschaft, bei jeweiligem Start nahe der Küste hinein ins gebirgige Hinterland auf wenig befahrenen Straßen, die in recht guten Zustand sind. Die Anstiege sind teilweise lang, z.B. Val Gallinera =25 km, 3 - 5%, doch meist ohne große Anstrengung zu meistern. Wenige steile Rampen mit bis zu 16% sind eher kurz, für die längste (bei Lorcha) gibt es eine Alternativstrecke oder man nutzt hier den Transportservice des Begleitbusses. Im Labyrinth der Wirtschaftswege inmitten ausgedehnter Orangenplantagen wäre man ohne ortskundige Führung hoffnungslos verloren. Bei unserer letzten Tour, die über den Col de Rates führt, besteht die kostenfreie Möglichkeit, seine Bergfahr-Ambitionen auf der „Stoppomat“-Zeitmess-Strecke (6,8 km, 360 Hm) auszuleben.

Mit dem Wetter hatten wir an 4 Tagen absolutes Glück, es war überwiegend sonnig und in Küstennähe angenehm warm. Ein „Windstopper“ oder Ärmlinge sind in dieser Jahreszeit für die Morgenstunden und in den Bergen von großem Vorteil. Die restlichen Tage waren ziemlich windig, manchmal trübe aber mit 15° -18°C im Tal und ca. 10°C auf den Höhen zum Radfahren ganz passabel. Nur einmal hat es etwas getröpfelt, in vielen Regionen Spaniens gab es zeitgleich Dauerregen, übrigens auch auf Mallorca.

Betreuung im Hotel und „On Tour“:

Entlang der Costa Blanca und auch im Umfeld von Denia zeigen sich mancherorts abschreckende Bausünden der spanischen Tourismus-Industrie. Unser kleines feines Hotel Los Caballos ist ein ästhetisches Musterbeispiel, was alternativ möglich ist. Chefin Doris hat das Haus mit herzlicher Anteilnahme gut „im Griff“, auch humpelnd mit Krücke, aufgrund eines Skiunfalles 3 Wochen zuvor. Ihr Lebensgefährte Burkhard (Rad-Guide und Assistenz) versteht es bestens, unaufgeregt und kompetent mit den Gästen zu kommunizieren und diese „große Radler-Familie“ bei Laune zu halten. Ein freifliegender Papagei, gehört neben drei verspielten Hunden und einer Katze zum Inventar. Die tierische Familie genießt es von den Gästen verwöhnt zu werden. Nur schade, dass es noch etwas zu frisch für entspannende Schwimmrunden im Pool oder für einen spätabendlichen Terrassenplausch unter freiem Himmel war. Das reichhaltige Frühstücksbuffet versorgt uns mit ausreichend Kalorien für einen anstrengenden Tag und das leckere Abendmenü wird zum kulinarischen Genuss.
Erwähnenswert ist der immer donnerstags stattfindende „Pizza-Abend“ mit vielen wählbaren Varianten, mit Burkhard als Steinofen-Bäcker, Doris als kreativer „Belegkraft“ und einem netten Praktikanten als Servierhilfe. Diese Spezialität lockt auch Gäste aus anderen Häusern an, die nicht mit Lob sparen. Übrigens sind die Getränkepreise im Hotel fair und moderat. Für Nachtschwärmer ist diese Oase der Ruhe und Entspannung allerdings nicht optimal und zu weit abseits von Verführungen aller Art.

In Kooperation mit dem Schweizer Radreiseveranstalter „Kunz“ sind pro Tagestour zwischen
20 -30 Radler unterwegs, die vom Sercivebus begleitet werden. Dabei wird jede Gruppe von einem umsichtigen Guide geleitet. Auch „Werni“ gehört zum Team und fährt der „schwächsten“ aber meist größten Gruppe voraus. Zur Mittagspause finden sich alle Teams in einer strategisch günstig gelegenen Pizzeria ein, die vom netten „Kunz-Reiseteam“ ausgewählt wird. Diese Regelung bietet neben einem möglichen Wechsel in eine andere Gruppe, auch reichlich Gelegenheit sich über die Strecke und das Erlebte auszutauschen. Zur Stärkung gibt es sogenannte „Bocadillos“, das sind belegte knusprige Baguettes oder auch einmal Spaghetti. Der Flüssigkeitshaushalt wird mit Cola, Wasser oder Kaffee nach Wahl aufgefüllt (aber nix Alkoholisches!). Zusätzlich werden bei diversen Zwischenstopps Getränke, Obst und Naschereien aus dem Servicewagen gereicht. Für überforderte oder erschöpfte Radler steht abschnittsweise der Servicebus bereit. Eine beruhigende Option für alle Zweifler, um in der „Verladestation“, die langen Anstiege oder teils steilen Rampen auszulassen und zu regenerieren.

Kameradschaft, Kommunikation, Kontakte:

Von Beginn an herrscht eine freundlich lockere Atmosphäre. Prima funktioniert auch das Zusammenspiel mit den Zimmer-Genossen Hans und Bernd im nicht sehr geräumigen 3-Bett-Zimmer. Für Toleranz und Rücksichtnahme sei hier nochmals herzlichst gedankt. Die gute Stimmung setzt sich ausnahmslos bei allen Gästen bzw. Radsportlern fort, auch Neuankömmlinge sind schnell in der Gruppe integriert, fast wie in einer großen Familie. Die Altersspanne reicht von Mitte 30 bis gut 70 Jahre, etwa 20% weiblich und es sind viele Regionen Deutschlands vertreten, Nach den eindrucksvollen Ausfahrten sitzt man, teils noch in Radklamotten müde aber entspannt in der Nachmittagssonne am großen runden Tisch, manchmal richtig euphorisiert, zischt ein oder zwei Bierchen, lacht, diskutiert, witzelt und freut sich schon auf den nächsten gemeinsamen Tag. Fotografieren „on Tour“ ist ein harter Job, den ich nicht gescheut habe. Für gute Schnappschüsse ist etwas Zeit und Geduld notwendig, der „Peleton“ nimmt darauf leider keine Rücksicht und nach jedem Bild hat das Feld samt Windschatten einen satten Vorsprung, den es aufzuholen gilt. Von meiner einmaligen Mitfahrt in der schnellen Gruppe, der für mich grenzwertig war, gibt es aus diesem Grund keine Bewegtaufnahmen. Die an meinen Fotos interessierten Teilnehmer freuen sich bereits über die nachträglich per E-Mail übermittelten Schnappschüsse. Daraufhin ist von Uta auch schon ein Vorschlag zu einer gemeinsamen Tour mit uns „Ammerndorfern“ und den Westfalen Ulla und Werner entstanden, entweder in ihrer schwäbischen Heimat nahe Augsburg oder im Steigerwald, um die gemeinsame Radlwoche noch einmal sportlich fortzusetzen- eine nette Idee!

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Was haben wir außer Radfahren noch gemacht:

Am Ruhetag (Mittwoch) entschließen wir uns vormittags bei stürmischem Wind zu einem Fußmarsch an den menschenleeren Sandstrand, vom Hotel aus in 25 Minuten erreichbar. Am Nachmittag bestaunen wir unzählige Luxusyachten im weitläufigen Hafen von Denia, gönnen uns dort ein kühles Getränk in Wernis“ Stammkneipe, wundern uns über die Abstinenz unseres Abteilungsleiters, trotz mehrfacher SMS-Erinnerungen, da ein Treffen verabredet war. Anschließend besichtigte das verbliebene Trio die Festungsanlage und einige malerische Gassen in der Altstadt, bevor uns „Taxista“ Annemarie wieder die 10 km zum Hotel chauffiert.

Ich freue mich jetzt schon auf den Radsportauftakt (in Denia?) im nächsten Jahr!

Euer Radsportfreund
Günter Bachmann